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Zehn Jahre Boule-Freundschaft mit Wageningen (NL)

(Hans-Jürgen Vorndran; SKG Journal 02.2019) Auch in diesem Jahr machte sich eine zehnköpfige Gruppe aus der Bouleabteilung der SKG Walldorf 1888 e.V. auf die Reise in die 370 km entfernte Niederländische Partnerstadt, um an einem Juni-Wochenende mit Freunden Boule zu spielen.
Begonnen hat es bei der Stadtmeisterschaft auf dem Walldorfer Rathausplatz 2009. Da lernten wir Gertjan van Leeuwen und seine Mitspieler kennen und nahmen spontan ihre Einladung zu einem Bouleturnier in Wageningen 2010 an. Weil uns der Aufenthalt dort gut gefallen und bereichert hat, haben wir den Wochenendausflug in unterschiedlicher Zusammensetzung jedes Jahr wiederholt.
Als Organisator sind mir, Hans-Jürgen Vorndran, die Stadt und ihr Umfeld aus meiner Zeit als Stadtverordneter und später als Erster Stadtrat vertraut. Denn mit Wageningen bestand seit 1983 zunächst eine „Friedenspartnerschaft“, die erst 1992 nach längeren Diskussionsprozessen in eine Städtepartnerschaft umgewandelt wurde.
Diese besondere Situation ergab sich aus der Historie Wageningens im Zweiten Weltkrieg.
Im Hotel „De Wereld“ unterzeichneten am 5. Mai 1945 der deutsche General Johannes Blaskowitz und der kanadische General Charles Foulkes die Kapitulationsurkunde des Deutschen  Reichs für die Niederlande.
Damit der Befreiung“ wird der „Befreiungstag“ jedes Jahr mit einer Parade und weiteren Feierlichkeiten am 4./5. Mai begangen. Bis zu seinem Tode hat daran auch der Mitunterzeichner Prinz Bernhard der Niederlande teilgenommen.
Heute leben in Wageningen rund 40.000 Einwohner. Die Stadt liegt am Rhein, mit Deich und entsprechenden Poldergebieten sowie einem Industrie- sowie Sportboothafen. Im südlichen Bereich gibt es eine Erhebung, den „Wageningse Berg“, wo sich der schöne Botanische Garten mit Skulpturen und Blick auf den Fluss befindet. Stark geprägt wird das Leben durch die Landwirtschaftsuniversität, die einen guten internationalen Ruf genießt. Zentrum ist der Marktplatz mit der „Großen Kirche“ als Mittelpunkt und rund herum gruppieren sich Cafes, Bistros und Kneipen – und das Rathaus.
Die Wohngebiete verteilen sich auf verschiedene Stadtteile. Von daher ist mir nicht nur die Pflege des freundschaftlichen Umgangs mit den Wageninger Boulern und die sportliche Begegnung im Turnier wichtig, sondern gleichermaßen die Stadterkundung bei einem Rundgang, um dabei auch einen Blick auf die wechselhafte Stadtgeschichte zu werfen.
Am Freitagvormittag, 14. Juni 2019, machte sich unsere Reisegruppe in zwei PKWs auf den Weg. Wir hatten uns für die linksrheinische Route über Venlo entschieden, um nicht im Kölner-Stau stecken zu bleiben. Gegen 14 Uhr erreichten wir unser Hotel WICC, das im Zentrum Wageningens liegt. Die Zimmer sind zwar einfach, haben aber den unschlagbaren Vorteil, dass wir nach ein paar Schritten in der Fußgängerzone „Hoog Straat“, der Einkaufsmeile sind, die zum Marktplatz führt.
Das Einchecken im Hotel erfolgt auf Englisch. Denn viele Studenten der Landwirtschaftsuniversität aus Afrika und Asien (Nachwirkungen der Kolonialzeit) sind dort untergebracht; auch aus den ehemaligen Kolonien der Niederlande.
Bereits um 15 Uhr erwartete uns Gertjan auf der neuen Anlage des Vereins im Marijkeweg 23, fußläufig knapp zehn Minuten vom Hotel entfernt. Dort trafen wir auch unsere Boulefreundin Monika mit Freundin Evi aus Kelsterbach, die auf niederländische Art im Wohnwagen angereist waren. Hauptsportart des KV Wageningen (550 Mitglieder) ist das in Holland sehr beliebte Korbballspiel, das mit Mannschaften beiderlei Geschlechts ausgetragen wird. Die Bouleabteilung hat dagegen nur wenige Mitglieder.
An dem neuen Standort wurde für fünf Millionen Euro eine Halle mit Tribüne, Umkleiden, großzügigem Gemeinschaftsraum und großem Balkon mit Blick
auf die vier Korbballfelder außerhalb sowie die Boulebahnen errichtet.
Von den Kosten hat die Stadt vier Mio Euro und der Verein eine Mio Euro,
durch Verkauf seines bisherigen Grundstücks am Hollandseweg sowie
Darlehen übernommen.
Die Unterhaltskosten muss der Verein stemmen!
Eine beeindruckende Leistung! Bei der herzlichen Begrüßung überreichte
ich Gertjan einen Wappenteller der Stadt Mörfelden-Walldorf sowie
als Gastgeschenk drei 5-Liter-Fäßchen Bier für das gemeinsame
Abendessen am Samstagabend. Nach einer kühlenden Erfrischung ging es dann auf die Boulebahnen. Auch der vormalige Kassierer der SKG Walldorf und jetzige Abteilungsleiter Turnen, Siggi Ratz, warf mit seiner Frau Waltraud einige Kugeln und war von dem Spiel angetan.
Am Abend schlenderten wir über die „Hoogstraat“, machten Einkäufe und trafen uns dann im Café „De Kater“ am Marktplatz zu einem leckeren Imbiss. Dort spielt sich das urbane Leben ab. Viele junge Menschen flanieren vorbei und die Kirchturmuhr schlägt unverdrossen alle Viertelstunde! Den Abschluss bildete ein „Absacker“ an der Hotelbar mit guten persönlichen Gesprächen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück lud ich dann zum traditionellen Stadtrundgang
mit Erläuterung zur Städtepartnerschaft so wie der Stadtgeschichte ein. In der Nacht hatte es reichlich geregnet, jetzt war es trocken, aber windig.
Der Weg führte uns zum Hotel „De Wereld“ (Kapitulation) und dem 5. Mai-Platz, weiter über den General-Foulkes-Weg zum versteckt liegenden Jüdischen Friedhof.
Die Gräber sind uns Mahnung. Eine Jüdische Gemeinde existiert nicht mehr. Die 71 Juden aus Wageningen wurden über das Durchgangslager Westerbork ab 1942 in die Vernichtungslager in Polen deportiert. Von dort ging es durch ein attraktives
Neubauviertel mit Backsteinbauten zum Damm, von wo wir einen schönen Ausblick
auf das Poldergebiet des Waals und den Industriehafen hatten. Zurück in der Altstadt fallen uns viele denkmalgeschützte Häuser auf. Immer wieder erleben wir grüne Inseln; Grachten, Stadtmauerreste, kleine Parks mit verwunschenen Wegen. Vor dem Stadtmuseum berichtete ich von dem langjährigen Kulturaustausch beider Partnerstädte, den ich mit der Galeristin Marlou Kursten organisiert hatte. Am Rathaus angekommen, lud der Samstags-Markt zum Bummeln zwischen den Ständen ein. Rudi ließ es sich nicht nehmen, wieder einen neuen Matjes mit viel Zwiebeln aus der Hand zu verspeisen.
Inzwischen wurde es Zeit, der Einladung zu Majas köstlicher Spargelsuppe im KVVereinsheim zu folgen. Denn bereits um 13 Uhr begann das Bouleturnier mit 18 Zweier Mannschaften. Im Gegensatz zu den Vorjahren beteiligten sich viele Frauen. Die Bouler aus Walldorf waren mit drei Teams vertreten:
Rudi & Otto, Karin & Karl, Monika & Heiner.
Nach einer Vorrunde mit jeweils vier Spielen ging es in die KO-Runden. Nach spannenden Spielen erreichten Monika & Heiner den zweiten und Karl & Karin den vierten Platz, während die Waginger die Oberhand behielten.
Dennoch ein sehr erfreuliches Ergebnis! Bei dem gemeinsamen Abendessen aller Turnierteilnehmer im VIP-Raum nahm Gertjan die Siegerehrung vor und verteilte die Pokale. Im Hotel gab es zum Abschluss eines ereignisreichen Tages dann noch in der Bar eine kleine Feier.
Am Sonntagmorgen starteten wir im Vierer-PKW-Konvoi mit Gertjan und Guido an
der Spitze zur Stadterkundung nach Arnheim, der Hauptstadt der Provinz Gelderland mit rund 160 000 Einwohnern. Bereits durch die Römer besiedelt und später durch seine Lage an den Handelsstrassen aufgestiegen. Uns allen bekannt durch den Film „Die Brücke von Arnheim“ und dessen geschichtlicher Hintergrund: Im September 1944 versuchten alliierte Streitkräfte im Rahmen der Operation Market Garden die Brücke von Arnheim über den Rhein zu erobern, um sich den Weg nach Deutschland zu bahnen. Die Operation scheiterte und ließ eine stark beschädigte Stadt zurück.
Die Brücke wurde 1978 nach dem britischen Oberst John Forst benannt, der jenes Bataillon kommandierte, das als einziges die Brücke erreichte und den nördlichen Teil vier Tage lang verteidigte.
Geparkt wurde in dem futuristisch anmutenden neuen Zentralbahnhof, dessen Architektur uns stark beeindruckte. Von dort ging es durch die Altstadt in Richtung Rhein mit vielen Gebäuden aus dem Mittelalter und des Jugendstils. Da die Geschäfte, Cafés und Lokale, erst gegen Mittag öffneten, waren die Straßen zunächst leider recht leer. So fiel mir eine Besonderheit auf. An manchen Geschäften sah man einen Schweinskopf, an anderen einen Rindskopf an der Fassade.
Wie ich später erfuhr, waren dies Hinweise auf christliche bzw. jüdische Metzger. Die Synagoge (erbaut 1872 und renoviert 2003) in einer Nebenstraße fiel mir dagegen gleich auf.
Auf die 70 Meter hohe gläserne Aussichtsplattform der stattlichen Eusebius
Kirche wollte keiner.
So schlenderten wir über den Marktplatz, wodie Stadtverwaltung mit Kindern ein Mülltonnenrennen veranstaltete und weiter am Gebäude der Provinzregierung vorbei
durch das letzte erhaltene Stadttor, dem „Sabelspoort“, wo sich der Blick zum Rhein öffnet.
Unweit davon befindet sich das „Airborne Monument“, in dem über die Schlacht um Arnheim informiert wird. Von dort sehen wir dann auch die berühmte Brücke.
Inzwischen war es richtig heiß geworden.
Zeit für eine Erfrischung und Imbiss in einem Lokal direkt am Fluss. Sodann ging es zurück zum Zentralbahnhof. Oh Schreck, Siggi hatte sein Parkticket verloren. Gertjan wusste Rat.
Am Parkautomaten wurde ein Ersatzticket problemlos ohne Mehrkosten (!) erstellt und die Nummer des Fahrzeugs eingegeben, so dass sich die Schranke bei der Ausfahrt automatisch öffnete. Die Heimfahrt erfolgte dann ohne weitere Probleme. Danke für die Gastfreundschaft, die wir den Wageninger Boulern im September bei der Stadtmeisterschaft in Walldorf dann gerne erwidern wollen!

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